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Unser Studiogast: Wolfgang Gerke
Er ist Bankenexperte vom Bayerischen Finanzzentrum DW-TV: Wolfgang Gerke, vom Bayerischen Finanzzentrum ist bei uns im Studio. Herzlich Willkommen. Den Kapitalismus zähmen, geht das überhaupt ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden? Wolfgang Gerke: Die soziale Marktwirtschaft, das ist eigentlich schon gezähmter Kapitalismus. Was Ludwig Erhard und Müller-Armack sich da ausgedacht hatten. Man darf den Kapitalismus nicht ohne Regeln walten lassen. Das geht schief, das ist ungerecht. Das mag effizient sein, aber das ist unsozial. Insofern müssen wir die Auswüchse bekämpfen, wir müssen den Kapitalismus zähmen. Dabei dürfen wir aber nicht den Markt kaputt machen. Das ist ein schwieriger Weg.   DW-TV: Eine schwierige Gradwanderung. Dann gibt es strengere Regeln an einem Ort. Könnten die Banken einfach an einen anderen Ort wandeln? Weiterziehen sozusagen? Solange es solche Auswege gibt, hat doch auch Regulierung keine Chance. Wolfgang Gerke: Ich glaube, wenn sich die ‚Großen‘ der Welt zusammentun und auch gegen diese Steueroasen und Aufsichtsoasen vorgehen, dann können sie das durchsetzen. Es ist natürlich was anderes, wenn Deutschland einen Alleingang versucht. Das geht schief. Insofern sind wir in Europa, das ist schon mal ganz wichtig, auf dem Weg, wenigstens eine einheitliche harmonisierte Aufsicht zu kreieren. Dass wir die Regeln gemeinsam machen. Der nächste Schritt, der muss mit den angelsächsischen Ländern, insbesondere mit den USA zusammen gemacht werden. DW-TV: Wie kann man das erreichen, das alle wichtigen Regierungen an einem Strang ziehen? Wolfgang Gerke: Da gibt es zuviel Reden. Und das muss man leider auch Präsident Obama sagen, seine Ankündigungen sind genial, aber das Umsetzen ist das Problem. Ich habe den Eindruck, dass sich im entscheidenden Moment die Bankenlobby doch durchsetzt und hinter die entsprechenden Abgeordneten klemmt. Und dass man dann dafür sorgt, dass die Regeln nicht all zu stark sind, die sie behin...
Video Length: 202
Date Found: February 03, 2010
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